Flagge Indien

Reisebericht Indien 2000
Agra

Flagge Indien

Sonntag 27.02.2000

Indienkarte Karte mit Agra India Gate in Delhi Unser Fahrer war pünktlich, wir verstauten unser Gepäck im Auto, ein gepflegter Ambassador, und fuhren zunächst mal wieder zur Bank. Auch diesmal gab es kein Geld, also drängelte sich die Vermutung auf, dass unsere Geheimnummern nicht die gültigen waren. Zunächst gab es noch einen kurzen Fotostop am India Gate, am Ostende des Rajpath. Dieser 42 m hohe Triumphbogen trägt die Namen von 90.000 Soldaten der indischen Armee, die während des 1. Weltkrieges starben und im Juli 1919 während der Kampfhandlungen an der Grenze zu Afghanistan.
Wir verließen Delhi und unser Fahrer stellte sich als sehr ruhiger und gelassener Autofahrer heraus, allerdings war auch nicht sehr viel Verkehr, sicherlich weil Sonntag war. Gegen 10:00 gab es eine kurze Pause in einer Raststätte, wo wir aber nur einen Kaffee tranken. Gegen halb zwölf gab es noch mal einen Stop am Mausoleum von Akbar in Sikandra, 10 km nördlich von Agra. Sein Grab liegt mitten in einem großen Garten, den man durch eines der vier identischen roten Sandstein-Tore betreten kann. Akbar hat den Bau seinen Mausoleums noch selbst begonnen, fertig gestellt wurde es von seinem Sohn Jehangir. Als Material diente roter Sandstein, der Baustil ist eine Mischung teils hinduistisch teils moslemisch. An jeder Ecke des Mausoleums stehen dreistöckige Minarette.
Akbars Grab  in Sikandra Gegen 13:00 waren wir dann im Mayur Tourist Complex, wo Christian und ich schon mal im Garten ein Bier getrunken hatten. Das Hotel ist eine Bungalow Anlage, leider etwas verkommen, aber der Garten ist recht hübsch. Im Hotel Amar, wo wir zuerst nach einem Zimmer gefragt hatten, wollten sie uns eine Luxussuite für nur 5000 Rupien andrehen. Wir aßen im Mayur Hotelrestaurant zu Mittag, ziemlich geschmacklos und saßen dann noch bis 15:00 erholsam im Garten herum.

Agra war die Hauptstadt der Großmoguln, hat heute ca. 1 Million Einwohnern, und Lärm, Hektik und Luftverschmutzung prägen die dichtgedrängten Straßen der Altstadt, doch wen interessiert das schon? Es ist eines der berühmtesten Bauwerke der Erde, welches jährlich Millionen in- wie ausländischer Touristen nach Agra strömen lässt - das Taj Mahal. Wie wohl kein anderes Monument der Erde repräsentiert das Taj sein Ursprungsland.

Eingang zum Roten Fort in Agra Pünktlich um 15:00 stand wieder unser Fahrer Bharat bereit und brachte uns zum Roten Fort von Agra. Der Bau des Forts wurde unter der Herrschaft von Akbar im Jahr 1565 begonnen. Die Fertigstellung zog sich aber noch bis zur Regentschaft seines Enkels Shah Jahan hin. Während unter Akbar das Fort für rein militärische Zwecke gedacht war, legte Shah Jahan bereits mehr Wert darauf, es in einen Palast umzuwandeln. Shah Jahan, der Erbauer des Taj Mahal, wurde in diesem Fort von seinem Sohn gefangen gehalten und starb in einem Zimmer, von wo aus er einen Blick auf sein Meisterbauwerk hatte. Das Forts ist umgeben von einer 20 m dicken und 2,5 km langen Mauer, an deren äußerer Seite auch noch ein 10 m breiter Graben verläuft. Das Fort liegt am Ufer des Yamuna River, das Amar Singh Gate im Süden ist der Eingang.
Nachfolgende Gebäude sind im Fort-Gelände zu bewundern:
Moti Masjid: Diese Perlenmoschee im Fort entstand während der Herrschaft von Shah Jahan in den Jahren 1646-1653. Sie ist aus Marmor, und eine Inschrift in der Moschee vergleicht sie mit einer fehlerfreien Perle. Der Innenhof der Moschee ist umgeben von einem Kreuzgang. In der Mitte ruht ein Marmorsarkophag.


im Roten Fort in Agra Diwan-i-Am: Diese Halle der öffentlichen Audienzen wurde ebenfalls unter der Herrschaft von Shah Jahan gebaut. Sie ersetzt einen früheren Holzbau. Auf dem Thron in der mit Intarsien geschmückten Halle nahm er bei Audienzen Platz, um seine Ratgeber anzuhören, oder Bittstellern sein Ohr zu leihen.
Diwan-i-Khas: Auch diese Halle der Privataudienzen ließ Shah Jahan erbauen (1636-37). In ihr empfing er Würdenträger und Botschafter fremder Länder. Die Halle besteht aus drei Räumen, die durch drei Bogen miteinander verbunden sind. Hier stand der berühmte Pfauenthron bevor ihn Aurangzeb nach Delhi transportieren ließ.
Musamman Burj: ist ein achteckiger Turm nahe der Diwan-i-Khas. Er wurde von Shah Jahan für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal erbaut, er selbst wurde dort sieben Jahre durch seinen Sohn gefaangen gehalten und starb dort 1666.
Der Palast Jehangirs: Man nimmt an, dass Akbar diesen Palast für seinen Sohn bauen ließ. Er ist die größte private Residenz im Fort. Der Palast war das erste Gebäude innerhalb des Forts, als mehr und mehr Wert auf private Nutzung des ursprünglich militärischen Bauwerks gelegt wurde.

Blick vom Roten Fort in Agra auf das Taj Mahal Über eine Stunde hielten wir uns in dem sehr sehenswerten Fort auf, es ist viel schöner und besser erhalten als das Rote Fort in Delhi. Anschließend brachte uns Bharat zum Taj Mahal, allerdings mussten wir das letzte Stück mit dem Bus fahren, weil er mit seinem Auto nicht durch das Gewühle fahren wollte. Am Taj Mahal angekommen mussten wir nun erst mal zur Kasse und wurden dann auch zur selben gebeten. Der Eintritt betrug stolze 500 Rupien pro Person (ca. 25,- DM, das ist allerdings der Touristenpreis, Inder zahlen 15 Rupien). An der Eingangskontrolle wurden die Taschen kontrolliert, Zigaretten mussten abgegeben werden, wozu wir jedoch keine Lust hatten, also wurden die Zigaretten verschenkt.
Das berühmte Bauwerk Taj Mahal ließ Shah Jahan zum Gedenken an seine geliebte Frau Mumtaz Mahal errichten. 17 Jahre war er mit ihr verheiratet, als sie im Jahr 1629 bei der Geburt des 14. Kindes starb. Mit dem Bau begann man 1632, aber erst 21 Jahre später wurde es vollendet. Mehr als 20.000 Arbeiter waren am Bau beteiligt, die Arbeiter kamen nicht nur aus Indien, sondern auch aus Zentralasien. Die Experten holte man sich noch viel weiter her, der Franzose Austin aus Bordeaux, der Italiener Veroneo, der Architekt Isa Khan aus Shiraz im Iran.
Das Taj Mahal steht auf einer erhöhten Marmorplatte, an deren vier Ecken sich Minarette erheben. Das Hauptgebäude besitzt vier kleine Kuppeln, die die mächtige Hauptkuppel umgeben. Die Särge von Mumtaz Mahal und Shah Jahan sind in einer tiefer gelegenen Gruft aufgestellt, die beiden Särge im oberen Raum sind Nachbildungen, eine durchaus gängige Praxis bei indischen Mausoleen.
Taj Mahal in Agra Das Taj Mahal ist aus fast jedem Blickwinkel bewundernswert ist, auch aus der Nähe betrachtet ist es wunderschön. Halbedelsteine wurden in den Marmor eingelegt, durch die die schönsten Motive geschaffen wurden. Diese besondere Fertigkeit der Handwerker ging als "Pietra dura" in die Geschichte ein. Die Präzision und die Sorgfalt, die bei diesem Bau angewandt wurden, lassen die Entscheidung schwer fallen, ab man es besser von Weitem oder aus der Nähe betrachtet. Das Taj Mahal ist aus jedem Blickwinkel ein einzigartiges Erlebnis.
Nach der Besichtigung des Taj Mahal brachte uns Bharat dann zu einem Touristen Shop, wo er sicherlich Provision bekam, in dem es hauptsächlich Marmor Utensilien zu kaufen gab. In einer kleinen Werkstatt konnten wir uns ansehen, wie die Intarsienarbeiten Taj-Mahal-like angefertigt wurden. Eine recht mühselige Angelegenheit, in den sehr harten Marmor werden kleine Vertiefungen eingeritzt, die dann mit ganz dünnen kleinen Halbedelsteinplättchen ausgelegt werden. Die Marmorarbeiten waren wunderschön und eigentlich wollte ich schon etwas kaufen. Schließlich entschlossen wir uns zu kleinen Untersetzern, wenigstens etwas, das man auch wirklich benutzt. Die Untersetzer wurden mit viel Holzwolle und mehreren Metern Strippe bruchsicher verpackt: Bharat empfahl uns ein Restaurant und wir nahmen die Empfehlung an. Er brachte uns zu einem für indische Verhältnisse sehr noblen Restaurant, wo uns ein sehr zuvorkommender Kellner bediente, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Freddie Frinton hatte. Das Essen war sehr lecker, aber auch recht teuer.
Wir wollten noch einen kleinen Spaziergang durch Agra's Straßen machen, aber es war dreckig, laut und überfüllt, wirkte sogar etwas unheimlich. Der kleine verschlafene Ort Agra, wie ich ihn von 1985 her kannte, hat sich zu einer schrecklichen Stadt entwickelt mit vielen aufdringlichen Touristenschleppern und Bettlervolk. Die Nacht war nicht besonders gut, da das Kopfkissen mehr ein Kopfstein war.

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letzte Änderung: 17.04.2016 · Copyright © 2003 - 2017 by Angelika Rosenzweig